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  Giulias Verschwinden


Regie: Christoph Schaub

Martin Suter, Autor von Die dunkle Seite des Mondes, Ein perfekter Freund und Lila, Lila, hat das Drehbuch zu Giulias Verschwinden geschrieben. Sein Einfluss ist deutlich zu spüren. Wie ein Suter-Roman ist der Film elegant, fast schon lapidar erzählt,
und sein bürgerliches Personal leidlich gut aussehend und gut verdienend aber auch nicht mehr ganz frisch. Immer wieder tun sich kleine Abgründe auf, die Farben sind dunkel gehalten, aber so düster, dass die Unterhaltung leiden würde, wird es nie.

Die Geschichte spielt an einem einzigen Abend. Giulia (Corinna Harfouch) ist auf dem Weg zu einem „Anlaß�g, ihrem fünfzigsten Geburtstag. In der Straßenbahn ist es eng und ungemütlich, Feierabendverkehr. Neben Giulia unterhalten sich zwei Teenager darüber, wie krass es sein muss, 30 zu sein. 20 OK, aber 30? Dann bittet eine ältere Dame sie, den Sitz neben sich frei zu räumen. Giulia entschuldigt sich, sie habe die Dame nicht gesehen. Lili nickt: „Ich weiß, man sieht uns nicht – uns, die Alten�g. Und auf einmal kann Giulia ihr Spiegelbild in der Scheibe nicht mehr sehen.

Auch bei ihren Freunden, die sich in den jeweiligen Wohnungen auf das festliche Abendessen vorbereiten, macht sich das voranschreitende Alter bemerkbar. Thomas kann sein Portemonnaie nicht mehr finden. Valentin betrachtet seine schütter werdenden Haare und Lorenz hat einen Fleck auf seinem Handgelenk entdeckt. „War der schon immer da?“. Lebenspartner Stefan reagiert genervt. Auch die Paare sind schon alt, lange zusammen, zwischen Vertrautheit und Überdruss angekommen.

Schließlich finden sich alle im Restaurant ein. Alle, bis auf Guilia. Frustriert hat sie sich durch die Stadt treiben lassen und in einem Brillengeschäft John (Bruno Ganz) getroffen. Der alte Charmeur hat sie bezaubert und in eine Bar entführt. So sitzen also Giulia und John flirtend am Tresen, die Freunde etwas genervt im Restaurant und die alte Dame aus der Straßenbahn im Altersheim auf dem 80. Geburtstag ihrer renitenten Freundin Leonie. Überall dreht sich das Thema ums Älterwerden, um Cholesterinwerte, tote Freunde und die Frage „wie benimmt man sich mit 80?“. Nur die beiden Teenager aus der ersten Szene, die der Film ebenfalls weiter begleitet, berührt die Frage noch nicht.